4-Tage-Woche

Die 4-Tage-Woche

Im April 2020, kurz vor Beginn des ersten Lockdowns, schrieb ich in einem Blogbeitrag:

“Bald werde ich nur noch vier Tage pro Woche als Angestellte arbeiten. Der fünfte Tag ist für mich reserviert: für freiberufliche Aufträge, eigene Projekte, Lehraufträge, Netzwerkpflege, Blog-Artikel – oder sogar ein Buch? –, für Gartenarbeit, Spaziergänge, Zeit mit Kind und Kaninchen.”

Dann kam die Krise – für mich wie eine Befreiung! Sie zeigte uns allen, dass eine individuellere Arbeitswelt machbar ist. Aus heutiger Sicht klingen meine Überlegungen von damals fast banal. Doch der Weg zur 4-Tage-Woche war für mich ein großer Schritt, verbunden mit vielen Fragen.

Was ich vorab klären musste:

  • Kriege ich genügend freiberufliche Aufträge, um das fehlende Einkommen auszugleichen? Gerade jetzt, während Corona, wo Marketingbudgets gestoppt werden?

  • Sollte ich als Alleinerziehende lieber voll auf Sicherheit setzen?

  • Folge ich nur einer fixen Idee?

  • Mache ich mich in meinem Hauptjob überflüssig, wenn ich Stunden reduziere?

  • Bin ich fürs Homeoffice strukturiert genug?
  • Werde ich ohne Kollegen daheim vereinsamen?

Was ich brauchte, um die 4-Tage-Woche wirklich umzusetzen:

  • Erschöpfung und eine gewisse Grund-Unzufriedenheit

  • Den Drang nach Vielseitigkeit und Unabhängigkeit

  • Austausch mit kreativen Menschen, über den “Tellerrand” meines Arbeitgebers hinaus

  • Coaching, Mentoring und ein gutes Netzwerk

  • Erste freiberufliche Aufträge, um mich finanziell sicher zu fühlen

  • Vertrauen und das Einverständnis meines Arbeitgebers

  • Ein Testmonat, um auszuprobieren, wie die 4-Tage-Woche klappt

Das war mein Antrieb zur 4-Tage-Woche:

Neujahrsvorsätze sind eigentlich nicht so mein Ding. Aber Anfang 2020 habe ich mir als Jahresmotto gesetzt, ein kreatives, ganzheitliches Leben zu führen. Ganzheitlich meint: Im Einklang mit Kind, Garten, Haushalt, zwei Großmüttern, drei Kaninchen und meinem eigenen Bedürfnis nach Bewegung, Natur und Schlaf. Also mehr daheim sein.

„Kreativ leben“ meint, dass meine Kreativität über den Agenturjob, das Texten pfiffiger Slogans oder Ideen fürs Onlinemarketing weiter hinausreichen sollte. Ich mag unsere Kunden, texte und konzipiere gern für sie und tauche in ihre Themen ein. Aber dass sich mein Wirken auf Kommunikation und Werbung für Industrieunternehmen beschränkte, hinterließ ein immer schaleres Gefühl, das besonders durch Abstand, im Urlaub, immer lauter wurde.

Ideen haben und Neues schaffen ist ein Lebensprinzip, das ich nicht an der Bürotür ablegen will . Aber um eigene Projekte anzutreiben, mich für eine gute Sache einzusetzen oder im privaten Alltag so schöpferisch, spielerisch und handwerklich zu sein, wie ich es wirklich wollte, fehlte mir die Zeit – natürlich auch deshalb, weil ich bin seit vielen Jahren Single-Mom und Alleinverdienerin bin.

Ich habe schon immer in verschiedenen Berufsfeldern gleichzeitig gearbeitet. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeitete ich 40 Prozent und half nebenher in Zeitungsredaktionen aus. In meiner Anfangszeit als Agentur-Texterin behielt ich Jobs aus Wissenschaft und Journalismus bei, hatte nebenher einen Lehrauftrag und machte neben dem Texten auch Projektmanagement.

Erst in den letzten Jahren war ich zum ersten Mal in Vollzeit als Texterin und Konzepterin angestellt. Nur noch gelegentlich schrieb ich einen Artikel für die lokale Sonntagszeitung oder half dort samstags aus. Und irgendwie fehlte mir etwas.

Werbung, Journalismus, Soziale Arbeit, Wissenschaft: Jede dieser Welten hat ihre eigenen Regeln, ihre eigene “Währung”. Im Journalismus zählt Geschwindigkeit und Relevanz, in der Wissenschaft geht es um Wahrheit und darum, möglichst früh und viel zu publizieren, die Soziale Arbeit dreht sich um Hilfebedürftigkeit und soziale Gerechtigkeit, die Werbung um Kreativität, Klicks, Leads, Verkäufe – und darum, sich selbst gut zu vermarkten. Die jeweils anderen Systeme sind immer bloß Umweltrauschen, unwichtig bis irrelevant.

„Karriere“ bedeutet in unserer Gesellschaft oft, in eine dieser Welten besonders gut verankert zu sein, das jeweilige Spiel besonders gut mitzuspielen. Aber ich mag das Grenzgängertum zwischen diesen Welten: Weil es mich erdet. So manche Befindlichkeit erledigt sich von selbst, wenn man von außen drauf schaut. Auch dankbar sein ist leichter, wenn man hin und wieder die Nachteile anderer Jobs durchlebt. Alles in allem: Ich wollte raus aus der Agentur, ohne ganz darauf zu verzichten.

Unvoreingenommen zu sein, andere Perspektiven einzunehmen und verschiedene (Fach-)Sprachen zu sprechen ist in Kommunikationsberufen – wie Journalismus und Texten – besonders wichtig.

Hin und wieder ein anderes Arbeitsfeld zu streifen, ist für mich wie eine Fortbildung. Und ich bin neugierig: So hat es sich zum Beispiel irgendwie eingebürgert, dass ich neben dem Texten auch Onlinekampagnen konzipiere und deren Erfolg auswerte – rein autodidaktisch. Natürlich hilft dabei mein wissenschaftlicher Background dabei, genauso wie Neugier für Fachblogs, -zeitschriften und -bücher.

Ich gehe die Dinge gern von Grund auf richtig an. Deshalb waren Austausch, Coaching und Mentoring waren für den Schritt in die Mini-Selbständigkeit sehr hilfreich:

  • In der Personal Branding Woche von Julian Heck bekam ich im Januar 2020 hilfreiche Impulse, um meinen “inneren Kompass” zu finden.
  • Wenig später stieß ich zufällig auf den Beta-Kurs „Positionierung für Multitalente“ von Elke Schmalfeld. Sie überraschte uns Teilnehmer*innen fünf Tage lang mit überrachend guten Inputs und Aufgaben, bis hin zur Markenstrategie für kreative Köpfe, die breit aufgestellt sind. Ich definierte meine Werte (Kreativität, Unabhängigkeit, Tiefe) als Wegweiser.
  • Schließlich entdeckte ich Dr. Anja Schäfer, Businesscoach für Frauen, die mit ihrem kostenfreien Angebot „Live auf einen Kaffee“ jeden Montagmorgen Impulse zur Selbstfürsorge und zum Austausch bietet, gefolgt von thematischen Workshops (z.B. „Netzwerken“) bis hin zum VIP-Club als intensiveres Gruppen-Coaching. Anjas Motto „Mach 2020 zum besten Jahr deines Lebens!“ hat mich besonders inspiriert.

… und dann kam der Lockdown. Mein Fazit:

So einfach der Schritt zur 4-Tage-Woche und der nebenberuflichen Selbständigkeit klingt – ich habe es mir nicht leicht gemacht. Besonders meine Situation als Alleinverdienerin mit Kind spielte dabei eine große Rolle. Kinderlos – oder nicht alleinerziehend – wäre ich sicher unbeschwerter an die 4-Tage-Woche herangegangen.

Als ich die nebenberufliche Freiberuflichkeit zum ersten Mal ansprach, war mein Arbeitgeber nicht begeistert. Wäre ich als Freiberuflerin eine Konkurrenz zur Agentur? Würde ich das nötige Arbeitspensum noch schaffen? Doch weil mich das Thema monatelang nicht losließ, vereinbarten wir einen “Testmonat” – und genau in dem Moment bekam ich freiberufliche Aufträge. Wie aus Zauberhand funktionierte mein Netzwerk. Das war mein Beweis, dass es finanziell gut gehen würde.

Kurz bevor der Testmonat zu Ende war, kam Corona. Die Entscheidung für oder gegen die 4-Tage-Woche war ausgesetzt, wir gingen in Kurzarbeit und ins Home Office. Und plötzlich war ich tiefenentspannt. Ich arbeitete, wo und wann es zu meinem Bio-Rhythmus und dem meiner Tochter passte. Trotz Home Schooling – oder gerade deshalb, denn plötzlich war auch meine Tochter tiefenentspannt. Seit dem Wechsel aufs Gymnasium hatte sie über Schulstress gesprochen. Nun zeigte sich, dass auch ihr das selbstbestimmte Arbeiten liegt. Oft begann sie mit ihren Aufgaben schon am Sonntagabend, ackerte die ersten Tage der Woche voll durch … und sah ab Mitte der Woche zufrieden auf das, was sie geschafft hatte.

Von mir fiel der Stress der letzten Jahre ab. Keine Meetings, keine Zwischenfragen, Zeit für vertieftes, konzeptionelles Arbeiten. Ich schaltete die E-Mails aus, die Kommunikation reduzierte sich auf ein Minimum. Zudem: ein Arbeitstag pro Woche weniger. Ich habe den Garten direkt vor dem Schreibtisch und gehe täglich laufen.

Auf keinen Fall will ich Teamwork missen. Vermutlich fehlte mir nur die richtige Mischung aus allem. Wie alles weitergeht, steht in den Sternen. Aber es ist wichtig und richtig, die eigene Zukunft selbst zu formen.

So einfach der Schritt zur 4-Tage-Woche und der nebenberuflichen Selbständigkeit klingt – ich habe es mir nicht leicht gemacht. Besonders meine Situation als Alleinverdienerin mit Kind spielte dabei eine große Rolle. Kinderlos – oder nicht alleinerziehend – wäre ich sicher unbeschwerter an die 4-Tage-Woche herangegangen.

Als ich die nebenberufliche Freiberuflichkeit zum ersten Mal ansprach, war mein Arbeitgeber nicht begeistert. Wäre ich als Freiberuflerin eine Konkurrenz zur Agentur? Würde ich das nötige Arbeitspensum noch schaffen? Doch weil mich das Thema monatelang nicht losließ, vereinbarten wir einen “Testmonat” – und genau in dem Moment bekam ich freiberufliche Aufträge. Wie aus Zauberhand funktionierte mein Netzwerk. Das war mein Beweis, dass es finanziell gut gehen würde.

Kurz bevor der Testmonat zu Ende war, kam Corona. Die Entscheidung für oder gegen die 4-Tage-Woche war ausgesetzt, wir gingen ohnehin in Kurzarbeit und ins Home Office. Und plötzlich war ich tiefenentspannt. Ich arbeitete, wo und wann es zu meinem Bio-Rhythmus und dem meiner Tochter passte. Trotz Home Schooling – oder gerade deshalb, denn plötzlich war auch meine Tochter tiefenentspannt. Seit dem Wechsel aufs Gymnasium hatte sie über Schulstress gesprochen. Nun zeigte sich, dass auch ihr das selbstbestimmte Arbeiten liegt. Oft begann sie mit ihren Aufgaben schon am Sonntagabend, ackerte die ersten Tage der Woche voll durch … und sah ab Mitte der Woche zufrieden auf das, was sie geschafft hatte.

Von mir fiel der Stress der letzten Jahre ab. Keine Meetings, keine Zwischenfragen, Zeit für vertieftes, konzeptionelles Arbeiten. Ich schaltete die E-Mails aus, die Kommunikation reduzierte sich auf ein Minimum. Zudem: ein Arbeitstag pro Woche weniger. Ich habe den Garten direkt vor dem Schreibtisch und gehe täglich laufen.

Das war endgültig die Bestätigung: Es muss sich etwas ändern – und die 4-Tage-Woche ist ein richtiger Schritt dahin.

Auf keinen Fall will ich Teamwork missen. Vermutlich fehlte mir nur die richtige Mischung aus allem. Wie alles weitergeht, steht in den Sternen. Aber es ist wichtig und richtig, die eigene Zukunft selbst zu formen.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Holger_Markgraf_Interessieren.
Onlinetexter Benjamin O'Daniel
Hendrik Epe Mehr dazu
.

Du erklärst dich einverstanden, dass deine E-Mail-Adresse zu diesem Zweck gespeichert wird. Die Emails werden kostenlos zugestellt. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Mehr Infos zur Protokollierung der Anmeldung, Datenspeicherung, Einsatz des Versanddienstleisters Mailerlite, der Integrierten Erfolgsmessung und deinem Widerrufsrecht erhältst du in meiner Datenschutzerklärung.

One Comment

  1. […] Die 4-Tage-Woche […]

Hinterlasse mir einen Kommentar

Ich freue mich, von Ihnen zu hören