5 Ideen, wie du aus Floskeln Kommunikation machst

Eine Bekannte bat mich, einen Blick auf ihre neue Firmenwebsite zu werfen. Tat ich gerne. Was ich dort fand: Floskeln. Und eine Firmen-Chronik.

Der Satz »Wir verbinden Tradition und Fortschritt« ist in kleinen und mittleren Unternehmen, insbesondere im Handwerk, so beliebt, dass einfach irgendeine Bedeutung dahinterstecken muss. Aber es entsteht kein Bild im Kopf. Kein Nutzen, kein »Aha«. Das entspricht hundertprozentig der Duden-Definition einer Floskel: »nichtssagende, formelhafte Redewendung«.

Gemeinsam überlegten meine Bekannte und ich, wie wir sie mit Inhalt füllen könnten.

1. Hinterfragen

Was bedeutet Tradition?

„Gemeinschaft und Zusammenhalt“, sagte meine Bekannte. „Werte weitergeben“, ergänzte ich. Außerdem ist Tradition zeitlos und unabhängig von Moden, was ein gewisses Selbstbewusstsein zeigt.

2. Konkrete Beispiele geben

Fortschritt, das kann die neue Maschinengeneration sein, die die Produktion schneller oder nachhaltiger macht.

Die Solaranlage auf dem Dach. Im weiteren Sinne auch die neue Azubi-Generation, oder der Dipl. Ing. in der Geschäftsführung, die früher rein aus Handwerkern bestand.

3. Einfache Sprache

Ein nächster Schritt ist, alles in einfache Worte zu fassen: »Tradition das heißt für uns, …

… an unsere Azubis Werte weitergeben.

… den Familienbetrieb unserer Eltern weiterzuführen. Auf unsere eigene Art.

… langfristig Beziehungen pflegen.«

4. Begriffe ersetzen

Aus »Wir verbinden Tradition und Fortschritt« wird jetzt zum Beispiel: »Wir verbinden klassisches Handwerk mit nachhaltigen Technologien« oder »Wir verbinden Ausbildung mit Wertevermittlung« oder »Wir verbinden langjährige Kundenbeziehungen damit, herauszufinden, wo aktuelle Bedarfe und Innovationsmöglichkeiten sind«.

5. Geschichten erzählen

Nun kann erzählt werden: Was die Azubis erleben. Was die junge Unternehmergeneration anders macht als ihre Eltern. Wie es zu der Solaranlage kam. Weshalb eingespielte Zusammenarbeit mit langjährigen Kunden allen Beteiligten Zeit und Geld spart. Wie neue Ideen immer darauf geprüft werden, ob sie dem Werte-Verständnis des Firmengründers standgehalten hätten.

Und jetzt?

Diese Geschichten können auf verschiedenste Weise erzählt werden, vom Firmenclaim über Headlines, als einfache News auf der Website und in den sozialen Medien bis hin zu Imagevideos.

All das sind natürlich nur Beispiele. Viele davon wird meine Bekannte verwerfen, weil sie nicht zum Unternehmen passen oder nicht relevant für die Zielgruppe sind. Aber sie geben eine Vorstellung davon, wie man durch ganz einfache Prinzipien und Techniken einen toten Satz zum Leben erwecken kann.

Daraus ergibt sich eine ganz andere Kommunikation. Oder?

Aaaaaaaarg! Designstark? Aua.

Was soll das heißen? Was passiert in einem Kopf, wenn du das Wort liest? Vermutlich – gar nichts, oder? Bei mir ploppen Fragezeichen auf. Aber kein Bild.

Designstark, das ist eine Worthülse. Ein fehlgeleiteter Versuch, Leser zu manipulieren. Das Gegenteil von Augenhöhe und Beziehung. Das Gegenteil von Storytelling. Und nicht nur das: Es macht die ursprüngliche Story sogar kaputt, weil du dran hängenbleibst und rätselst, was das heißen mag, designstark.

Designstark. So klingt es, wenn jemand, der das sonst nie tut, denkt, er müsse “Werbung machen”.

Eine der wichtigsten Regeln für Anfänger im professionellen Schreiben lautet: “Meide Adjektive”. Wenn du fortgeschritten bist, kannst du die Regel variieren: Verwende Adjektive nur, wenn du dir ganz, ganz sicher bist, dass sie zu deiner Botschaft beitragen. Versuche, deine innere Alarmglocke jedes Mal schrillen zu lassen, wenn du Adjektive benutzt. Denn oftmals sind sie überflüssig.

Im Wort “Einzigartig” steckt ja schon der Grundgedanke von Design, “Form follows funktion“. Und wenn du ihn wirken lässt, ist er viel stärker als mit einem Holzhammer-Adjektiv wie designstark.

Foto: Aarón Blanco Tejedor, unsplash.com

Texterin Tamara Niebler

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Persönlichkeit in Texten

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Peter Breuer Texter
Onlinetexter Benjamin O'Daniel
Storyteller Ralph Stieber

Hinterlasse mir einen Kommentar

Ich freue mich, von Ihnen zu hören